Gartenarchitekt

Schatten

Schatten unter Bäumen

Der Streifen unter dem alten Apfel oder der Birke ist kein Beet, das du mit Balkonerde und Geranien rettest. Die Wurzeln holen sich Wasser und Nahrung zuerst. Was dort geht, sind flache, anpassungsfähige Stauden und Laub, das den Boden deckt, statt ihn kahl zu harken.

Nicht gegen den Baum arbeiten

Ich grabe keine tiefen Löcher ins Hauptwurzelwerk. Verletzte Wurzeln ärgern den Baum, und das Neue verdorrt trotzdem. Flache Mulden, Kompost obenauf, kleine Ballen. Bei sehr dichtem Teppich sind erhöhte Inseln mit fünfzehn Zentimeter Substrat ehrlicher als Wunschdenken.

Im ersten Sommer gieße ich die neuen Pflanzen, nicht den ganzen Baumfuß. Ein Baum, der vierzig Jahre ohne Schlauch lebte, braucht meine Rasensprengerlogik nicht. Die Stauden schon, bis sie anwachsen.

Laub ist Mulch

Im Herbst bleibt das Laub der meisten Bäume unter der Krone. Bildet es Matten, zerkleinere ich es. Eiche und Walnuss sind langsamer, da reicht eine dünnere Schicht. Kahlgeharkter Baumschatten ist im Juli Staub und im November Schlamm. Das habe ich lange für Ordnung gehalten.

Efeu hält den Boden und nimmt irgendwann alles. Ich setze lieber Elfenblume, Waldsteinie, Farne und Funkien in Sorten, die Schnecken nicht komplett kahlfressen. Kleines Immergrün nur in Maßen, sonst hast du in fünf Jahren eine andere Baustelle.

Das Lichtfenster im Frühjahr

Schneeglöckchen, Blaustern, Anemone blühen, bevor das Laubdach dicht ist. Danach übernimmt das Blatt der Stauden. Das ist der Rhythmus unter Bäumen. Nicht die Dauerblüte wie in der Sonne, und das ist in Ordnung.

Hortensien wollen lichten Schatten und Boden ohne Wurzelkrieg. Unter dichten Fichten wird fast nichts. Manchmal ist die ehrliche Lösung ein durchlässiger Belag und Kübel am Rand der Krone, wo noch Regen hinfällt.

Was im Schatten stirbt, und warum

Lavendel, Rosen und die meisten Steppengräser im tiefen Baumschatten sind Geld weg. Sie wollen Sonne aufs Blatt. Umgekehrt kochen Funkien an einer Westwand ohne Baum in der Nachmittagshitze. Die Art muss zum Lichtfenster passen, nicht zum Katalogfoto aus der Sonne.

Moos im Rasen unter Bäumen ist Diagnose, kein Feind. Dort fehlt Licht, oft ist der Boden dicht. Jährlich nachsäen, damit es grün wird, scheitert. Bodendecker oder Laub plus Stauden sind die erwachsene Antwort.

Pilz an Blättern im nassen Schatten kommt von fehlender Luft. Ich pflanze lockerer als in der Sonne, nehme im Frühjahr matschiges Funkienlaub weg und gieße den Boden, nicht die Blätter am Abend.

Ein Baum ist die beste Klimaanlage im Garten. Unter ihm pflanzen heißt mit ihm pflanzen, nicht ihn besiegen. Hängt die Krone zu tief, nützt ein fachgerechter Auslichtungsschnitt oft mehr als noch eine Ladung teurer Schattenstauden in der Dunkelheit.

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