Klima
Winterharte Pflanzen in Österreich
Winterhart auf dem Etikett heißt oft: hat irgendwo in Mitteleuropa einen Winter überlebt. In Aigen, im Tullnerfeld oder im Innenhof in der Stadt sind das drei Winter. Mich interessieren Spätfrost, Nässe an der Wurzel und Wind. Nicht die tiefste Januarzahl allein.
Die Lage lesen
Beckenlagen sammeln Kaltluft. Südhänge mit Föhn trocknen aus und treiben zu früh, dann kommt der Aprilfrost. Städte sind milder, oft schattiger, der Boden schlechter. Eine mediterrane Kübelpflanze als bedingt winterhart mitzunehmen heißt bei uns: Schutz, trockener Stand, oder alle paar Jahre Ersatz. Bedingt ist kein Versprechen.
Staunässe im Winter tötet mehr mediterrane Arten als Minusgrade. Oleander, Olive, mancher Salbei wollen durchlässigen Boden und keinen Platz unter der Traufe, die den Ballen wochenlang nass hält. Ich habe Oleander draußen verloren, obwohl es kaum frostig war. Nass war es.
Gerüste, die bleiben
Pfingstrose, Phlox, Rittersporn in durchlässigem Boden. Hartriegel, Felsenbirne, Holunder, Apfel auf passender Unterlage. Das sind keine Neuheiten. Es sind Pflanzen, die in österreichischen Gärten alt werden. Rispenhortensien verzeihen mehr Frost als Bauernhortensien, deren Knospen der Spätfrost nimmt. Den Unterschied habe ich ein paar Mai-Nächte lang teuer gelernt.
Buchs hat bei uns mit Zünsler und Pilz zu kämpfen. Ilex crenata, Lonicera nitida oder eine geschnittene Hainbuche ersetzen die Kugel, ohne denselben Kampf. Taxus braucht Geduld. Als billige Instanthecke ist er der falsche Kauf.
Kübel und die ersten Winter
Im Topf ist dieselbe Art immer weniger winterhart als im Beet. Der Ballen durchfriert. Töpfe an die Hauswand, auf Holz oder Styrodur, umwickeln, nicht in der Dachrinne. Lieber eine Art, die im Beet bleibt, als fünf Highlights, die jedes Frühjahr nachgekauft werden.
Jungpflanzen im ersten Winter bei angekündigtem Kahlfrost mit Vlies. Vor allem immergrüne Neuheiten. Alte, etablierte Stauden in passender Art brauchen das Theater nicht. Wenn sie es jedes Jahr brauchen, ist die Art falsch.
Nachbarn schlagen USDA
Die Zonen aus Katalogen helfen nur grob. Inneralpin, Becken, Donauraum, Süden: das sind in Österreich verschiedene Gärten. In achthundert Metern mit langem Schnee überleben manche Stauden milder als in der windigen Ebene, wo der Boden ohne Decke durchfriert.
Drei Häuser weiter steht oft die bessere Datenbank als das Etikett. Was dort seit Jahren blüht, überlebt deine Lage. Was nur hinter Glas im Center steht, ist oft ein Sommergast. Frag nicht nach der trendigen Sorte. Frag nach dem Strauch, den niemand gießt.
Spätfrost im Mai trifft Obstblüte und Bauernhortensie härter als der Januar. Ein Vlies an klaren Mai-Nächten nach warmem April ist praktischer als Hoffnung. Südseiten an dunklen Mauern treiben zu früh aus. Genau dort passiert der Schaden, nicht im Schatten hinterm Haus.
Neu pflanzen im Herbst: die Pflanze wurzelt nach, der Sommer kommt später. Frühjahr geht, kostet aber mehr Gießerei. Das gilt in Aigen wie in Wien. Nur die Kannenfüllungen ändern sich.